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„Phänomenologie” ist der Name, den Edmund Husserl (1859-1939) seiner eigenen Forschungsrichtung, die im 20. Jahrhundert zu einer allgemeinen und einflußreichen geistesgeschichtlichen Strömung wurde, gegeben hat. Husserl benutzt diese Bezeichnung zuerst 1901 in den „Logischen Untersuchungen”, und zwar in Abgrenzung zur „deskriptiven Psychologie”, die zu jener Zeit als die vorzügliche Methode galt, logischen Fragestellungen auf den Grund zu gehen. Dagegen zeigt Husserl in den „Logischen Untersuchungen” eindrucksvoll, daß logische Sachverhalte wesentlich und notwendig nicht auf psychogische Sachverhalte reduzierbar sind. Die zentrale Konsequenz des Psychologismus - die Relativität logischer Gesetze - ist nicht haltbar. Damit wird auch dem Anschein begegnet, die auf letzte Fundamente abzielende Philosophie habe eine Erfahrungswissenschaft zur Grundlage.

Das Programm der Phänomenologie besteht dagegen für Husserl darin, die Philosohie ein für allemal als strenge Wissenschaft zu verankern. In diesem Sinne vollendet sie, was Descartes im 17. Jahrhundert mit seiner Bewußtseinsphilosophie auf den Weg gebracht hatte: Die Begründung aller Erkentnis rekurriert notwendig auf das Selbstbewußtsein des ego cogito und seiner cogitationes. Der zentrale Begriff bzw das philosophisch fruchtbare Grundmotiv, welches das phänomenologische Denken in Gang setzt, ist die Intentionalität bzw die damit verbundene korrelative Betrachtungsart. Die phänomenologische Reflektion sieht das Bewußtseins in allen seinen Verhaltungen intentional verfaßt, Bewußtsein ist immer auf etwas gerichtet, es ist in seinem Wesen immer Bewußtsein „von etwas”.

Demgemäß geht die phänomenologische Forschung aus von der Korrelation eines jeden cogito mit seinem cogitatum, das aber niemals ein zunächst isoliertes, einzelnes Objekt ist, sondern immer schon aufgefaßt ist als Gegenstand in seiner Welt. Die Welt ist für uns überhaupt gar nicht anders anwesend als in unseren mannigfach und mannigfaltig vorstellenden Akten, in ihnen verläuft unser ganzes Weltleben. Ich kann, sagt Husserl, „in keine andere Welt hineinleben, hineinerfahren, hineindenken, hineinwerten- und handeln, die nicht in mir und aus mir selbst Sinn und Geltung hat.” Phänomenologie in diesem Sinne ist Bewußtseinsforschung, ist Aufweis und Erweis der mannigfaltigen synthetischen Leistungen der Intentionalität, in und aus der das Bewußtsein Seinssinn und Geltung seiner welthaltigen Gegenstände konstituiert.

Phänomenologisches Philosophieren umfaßt neben ihrem Gründer eine Reihe von bedeutenden Denkern wie Max Scheler, Martin heidegger, Maurice Merleau-Ponty, Jean Paul Sartre oder auch Jacques Derrida. Alle diese Denker nehmen ihren Ausgangspunkt von Edmund Husserl.

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